Mein Name ist Glas. Sabrina Glas. Der Werkstoff, der so heißt wie ich, hat in den vergangenen Tagen für viele Diskussionen in unserer Redaktion gesorgt. Glas ist nicht nur ein elementarer Baustoff – man packt ihn auch gerne in Redewendungen oder abstrahiert ihn gänzlich.

Eine Glosse von Sabrina Glas.

Irgendwann verstummte aber die Euphorie über meinen Namen. Ich stellte fest, dass auch ich selbst auf gewisse Art, gläsern bin. Ein gläserner Mensch in unserer Überwachungs- und Datengesellschaft. Das gefiel mir nicht. Ich beschloss, zum Gegenangriff überzugehen – mit einem Selbstversuch. Ich lächelte in Kameras, an denen ich sonst fast ignorant vorbeigehe. Beim Telefonieren war ich freundlicher denn je, gesetzt den Fall, es wollte jemand mithören.
Natürlich hätte ich kreativer sein können. Mehr Spuren hinterlassen können. An zahlreichen Gewinnspielen bin ich vorbeigelaufen – verpasste Chancen auf kostenloses Speichern meiner Adresse. Mein GPS auf dem Handy konnte sein Potenzial bei Weitem nicht ausleben. Hätte ich es mit Twitter verknüpft, wären mir vielleicht noch mehr Menschen „gefolgt“.
Deutschland hätte ein paar Drohnen zu preiswerten Konditionen übrig, hört man. Sie liefern erstaunlich präzise Bilder. Da hätte sich sicherlich etwas arrangieren lassen. Zu guter Letzt wäre da ja noch die Google-Brille. Damit würde Google auch sehen, was ich sehe.
All diese Chancen habe ich ignoriert und verpasst. Gut, dass andere für mich mitdenken. Amazon weiß jetzt schon, was ich mir zum Geburtstag wünsche und übernimmt meine Einkaufszettel. Billa schickt mir in weiser Voraussicht Gutscheine für meine Lieblingsprodukte. Und wenn alle Stricke reißen, ist da ja noch die NSA. Sie vergisst: Nichts.

Foto: Katrin Fleischmann